Titelbild Bachelorarbeit mit finalen Entwürfen der Orientierungsstreifen für das Residenztheater München


Orientierungssysteme 
im Allgemeinen und am 
Beispiel des Münchner 
Residenztheaters




Konzeptidee

Ziel der Bachelorarbeit war neben einer theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema Orientierungssysteme (siehe >> hier), die Erarbeitung eines eigenen Konzepts für ein Leitsystem im Münchner Residenztheater. Dieses soll die Orientierung innerhalb des Gebäudes erleichtern und damit zu einem angenehmen Theaterabend beitragen. Der Fokus lag dabei auf einer schnellen und flexiblen Montage und der grafischen Gestaltung. 

Hinweis: Zum Zeitpunkt der Probehängung waren die Foyerräumlichkeiten des Residenztheaters vorrübergehend leider stark plakatiert. Bitte denk dir die Poster einfach weg. ;)
Leitstreifen und Informationsschilder im Foyer des Münchner Residenztheaters an der Wand, an Treppenstufen und am Informationstresen
Leitstreifen im 1. OG des Münchner Residenztheaters
Leitstreifen zur blauen Bar und den Toiletten im Parkett links des Münchner Residenztheaters
Leitstreifen zum Rang rechts des Münchner Residenztheaters an der Wand und auf Treppenstufen
Recherche und Leitidee
rotes, pfeilartiges Icon
Recherche

Ausgangspunkt für dieses neue Konzept war der aktuelle Zustand des Theaters. Besonderen Fokus habe ich dabei auf das Foyer gelegt und jeden Laufweg, sowie die gesamte Beschilderung fotografisch dokumentiert. Anschließend verzeichnete ich diese Daten in einen Grundrissplan. Auch Besucherverhalten und deren Bewegungsprofile wurden dabei berücksichtigt.
Konzept für eine neue Wegführung und Informationsstruktur

Anschließend überlegte ich mir, wie die einzelnen Bereiche im Theater am sinnvollsten zusammengefasst werden können, was die wichtigsten Informationen sind und wo welche Hinweise nötig sind. Die Aufteilung und ihre Farbcodierung leitet sich dabei von den aktuellen Garderobenmarken ab.
Informationstafel zur Informationsstruktur
Leitidee

Während meiner Recherchen notierte und skizzierte ich viele unterschiedliche Ideen (s. u. Entwürfe). Die Idee mit Leitstreifen zu arbeiten, erschien mir dabei besonders interessant und erinnert gleichzeitig an die Markierungen für Bühnenbilder und Requisiten auf dem Bühnenboden des Theaters. Es war spannend zu schauen, wie dieses Konzept von der Bühne in das Foyer übertragen werden kann.
Skizze Idee Leitstreifen
Entwürfe Gestaltung
Gestalterische Intention

In meinen Design-Entwürfen der Leistreifen wollte ich unbedingt Aspekte des Universal Design aufgreifen. Für mich hieß das verstärkt mit Piktogrammen zu arbeiten und für die vier festgelegten Bereiche jeweils eine bestimmte Form und Farbe zu definieren, um auch für ein fremdsprachiges Publikum oder Besucher mit Farb- oder Leseschwäche einprägsame Orientierungshilfen zu schaffen.
Ursprung und Extraktion des Gestaltungsrasters
Entwicklung eines Gestaltungsrasters und
Generierung von unterschiedlichen Icons (Merkhilfen)

Als Erstes überlegte ich, welche Formen aus der Architektur des Theaters als Inspiration dienen können. 
Dabei fiel mir die Lichtdecke auf, deren Aufbau als mein Raster dient. Innerhalb diesem generierte ich verschiedene Formen und entschied mich schlussendlich für vier verschiedene pfeilartige Icons. 
Diese werden als Wiedererkennungsmerkmal und Richtungsanzeige im gesamten Gebäude verwendet und helfen Besuchern dabei den Weg zu den vier festgelegten Bereichen zu finden. Gleichzeitig sind sie ein schönes, schmückendes Element. 
Entwürfe mit den vier entwickelten pfeilartigen Icons
Erstellung eines Farbkonzepts

Bei der Erstellung eines passenden Farbkonzepts fiel meine Wahl auf folgende vier Farben, die man im Gebäude wiederfindet:

blau = Parkett (rechts und links) = basierend auf der blauen Bar im Parkett
grün = Balkon und Rang rechts = basierend auf der grünen Bar nähe Balkon rechts
gold = Balkon und Rang links = basierend auf Bronzeskulptur nahe Balkon links und dem warmen Ambiente der Seitengänge
rot = Residenztheater = ist vor allem im Zuschauerraum präsent
(Die Signalwirkung von Rot eignet sich hervorragend dazu, um im öffentlichen Stadtraum zum Theater zu leiten und auf dieses aufmerksam zu machen)

Dabei fiel mir auf, dass diese Farbaufteilung bereits mit den vorhandenen Garderobenmarken der jeweiligen Bereiche übereinstimmt (ausgenommen Parkett rechts) und sich diese somit nahtlos in das Konzept einfügen.
Entwürfe mit den vier pfeilartigen Icons und den ausgewählten Farben
Schriftwahl und -positionierung

Nun fehlte nur noch die erklärende Information und eine passende Schrift für die Textebene.
Hier entschied ich mich für eine serifenlose Schrift in Versalien mit einer Versalhöhe von 2,8 cm. Damit ist der Text auch aus größerer Entfernung gut lesbar und klar erkennbar. Bezüglich der Position der einzelnen Elemente zueinander wählte ich eine Kombination aus zwei langen Streifen:

1. Streifen = pfeilartige Icons, die in die entsprechende Richtung zeigen
2. Streifen = Informationstext
Entwürfe Leitstreifen als Duo: Oben pfeilartige Icons, unten ergänzender Informationstext



Vervollständigung der 1. Informationsebene / Einsatz Piktogramme

Hinweise zu den Toiletten und Garderoben werden durch Piktogramme vermittelt. Aus Zeitgründen konnte ich leider keine eigenen entwickeln und verwendete die etablierten Zeichen von Otl Aicher. Diese wurden bereits vorher im Theater für die Toilettenbeschilderung verwendet. Ein paar benötigte Zeichen setzte ich aus mehreren Elementen bereits vorhandener Piktogramme zusammen, da diese nicht im Aichers Reportoire enthalten sind. 

Obwohl diese Hinweise die 2. Informationsebene darstellen, nahm ich den Verweis zu den Garderoben und Toiletten in die Streifen der 1. Informationsebene mit auf. So sind keine weiteren Streifen notwendig und Gäste erkennen auf einen Blick, dass sich alles in unmittelbarer Nähe zueinander befindet.
Aufbau der zweiten Informationsebene

Die zweite Informationsebene leitet zu weiteren Räumlichkeiten und weist auf Serviceangebote und Verbote hin. Deshalb muss sie klar von der ersten Informationsebene unterscheidbar sein und sich dieser unterordnen. An dieser Stelle wird deshalb nur noch ein Streifen verwendet und die Informationen vor allem via Piktogramm vermittelt. Je nachdem in welchem Bereich sich das Ziel befindet, sind die Bildzeichen im Wechsel mit den korrespondierenden pfeilartigen Icons dargestellt und in der entsprechenden Farbe gehalten.
Gestaltung der zweiten Informationsebene
Finale Entwürfe
grüner, pfeilartiger Icon
1. Informationsebene
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Baukasten 1. Informationsebene 

Bei der 1. Informationsebene werden immer zwei Streifen miteinander kombiniert und untereinander angebracht. Je nachdem in welche Richtung geleitet werden soll, wird ein Streifen mit den entsprechenden Pfeilen ausgewählt. Diese Streifen können sowohl an der Wand als auch auf den Boden oder auf Treppenstufen geklebt werden. Die langen Richtungsanzeiger (130x9 cm) dürfen mehrmals an unterschiedlichen Stellen verwendet werden. Die kurzen Zielkennzeichnungen (43x9cm) werden maximal an zwei Stellen direkt am Ziel angebracht (einmal an der Wand und evtl. einmal auf dem Boden). 

Dieser Baukasten ist allerdings nicht als starres System gedacht. Wenn gewünscht, kann auch ohne Probleme ein spielerischer Umgang damit erfolgen. Beispielsweise können die Streifen mit den Pfeilen einzeln, in kürzeren Abständen oder gar aneinandergereiht verwendet werden.
Strukturbaum 1. Informationsebene mit Hinweisen zu den Sitzplätzen
Struktur Wegleitsystem zu den Sitzplätzen

Um die Gäste nicht mit einer Informationsflut zu überfordern, wird im Foyer zunächst zu den drei Hauptbereichen geleitet (siehe Farbcodierung). Je weiter der Besucher sich anschließend im Gebäude bewegt, umso genauer wird differenziert z.B. zwischen Parkett links/rechts und nach Reihen.
Im Zielbereich sind keine weiteren Richtungsanzeigen notwendig. Deshalb werden hier die kurzen Zielstreifen verwendet. Auch diese folgen dem Zweit-Streifen-Prinzip, um sowohl den benötigten Text als auch das Erkennungsicon als Orientierungsmerkmal unterzubringen.
Beispiel Einsatz der Leitstreifen im Foyer an der Wand des Münchner Residenztheaters
Beispiel Einsatz der Zielstreifen an den Treppenstufen zum Zuschauerraum des Münchner Residenztheaters
Beispiel Einsatz der Zielstreifen an den Eingangstüren zum Zuschauerraum des Münchner Residenztheaters
Strukturbaum der 1. Informationsebene mit Hinweise zu den entsprechenden Garderoben
Struktur Wegleitsystem zu den jeweiligen Garderoben

Im Residenztheater dürfen Kleidungsstücke nur an der Garderobe abgegeben werden, in deren Nähe Besucher auch ihren Sitzplatz haben. Die Zielstreifen der Garderoben geben deshalb den jeweiligen Zuständigkeitsbereich sowie die Garderobennummer an. Für eine einfachere Zuordnung wird im Parkett farblich zwischen linker und rechter Seite unterschieden. Damit sich die Besucher auch nach dem Stück schnell zurechtfinden, werden die Garderobenmarken in den jeweiligen Farben produziert. 
Bei den Leitstreifen wurde bewusst auf solch eine farbliche Unterteilung verzichtet. Zusätzliche Abgrenzung hätte hier in zu vielen Informationsebenen und einem unruhigen Gesamterscheinungsbild resultiert.​​​​​​​
Beispiel Einsatz der Zielstreifen an der Garderobe im Balkon rechts des Beispiel Einsatz der Zielstreifen an den Eingangstüren zum Zuschauerraum des Münchner Residenztheaters
2. Informationsebene
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Strukturbaum der 2. Informationsebene
Struktur 2. Informationsebene 

Für Hinweise zu weiteren Örtlichkeiten, Serviceangeboten und Verboten wird nur noch jeweils ein Streifen verwendet. Die Leit- und Zielstreifen sind dabei genauso groß wie die der 1. Informationsebene. Mit Ausnahme von einzelnen Piktogrammen, die ein quadratisches Format von 9x9cm aufweisen. ​​​​​​​
Zielstreifen Eingang 1, sowie Leitstreifen zu den Kassen und weiteren Eingängen
© Katharina Buchhauser, 2019
Bachelorarbeit an der Hochschule München
Fakultät für Design
Fachrichtung Kommunikationsdesign

Ein herzliches Danke an folgende Personen,
die mir bei der Erstellung dieser Arbeit mit Rat und Tat zur Seite standen:

Simone Buchhauser, Günther Abbé, Elisabeth Streicher, Anton Doqi, Laura Schlichtholz, Marc Geis
Yury Soldatov (Soldatov Photography), Harald Stubenrauch (Betriebstechniker Residenztheater,
Sabine Rüter (Kommunikations- und Marketingabteilung Residenztheater),
Ingrid Trobitz (Kommunikationsdirektorin am Theater Basel und Nachfolgerin von Frau Rüter am Residenztheater), Druckerei DruckStreich, Siegfried Lahr und Michael Streich (von der Druckerei DruckStreich), Katharina Lechner (Buchbindemeisterin)

Prof. Xuyen Dam
(Bachelorbetreuer)

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